Montag, 27. Juni 2016

Der Hundeführerschein ist gut gemeint, aber unsinnig

Die Wiener Verhaltensforscherin Karin Bayer berichtet von einem starken Zulauf von Personen,
die schon jetzt die Prüfung ablegen wollten.

Die Ethologin arbeitet am Clever Dog Lab der Uni Wien und ist eine jener rund 50 Prüferinnen
und Prüfer, welche die Qualifikation der Hundehalter testen. „

Zurzeit kommen vor allem die netten, verantwortungsbewussten Leute mit netten Hunden“,
so Bayer.


Wer die 25 Euro Taxe aufbringt, darf ­sofort zur Prüfung antreten.
Einen Einführungskurs zum Thema Hundehaltung gibt es – anders als mehrfach berichtet und
von der Gemeinde Wien verlautbart – nicht.

Stattdessen wird man zunächst mit 30 theo­retischen Fragen konfrontiert, von denen 24
richtig beantwortet werden müssen.

Dann folgt der Praxisteil: Man muss zeigen, dass man mit dem Hund an der Leine gehen,
den Beißkorb anlegen, Pfoten- und Ohrenkontrolle durchführen kann.
Schließlich soll der Hund beim Spaziergang durch die Gassen in manche der folgenden
Situationen geraten:

etwa Begegnung mit Artgenossen,
mit Kindern und Radfahrern sowie Warten vor einem Geschäft.
Der Hund muss keineswegs beweisen, dass ihn etwa lärmende Kinder völlig kaltlassen –
vielmehr muss sein Halter angemessen reagieren,
also einen Bogen um die Kinderschar machen,
wenn er weiß, dass sein Hund in solchen Situationen in Stress gerät.

„Gefragt ist die Umsicht des Besitzers“, so Bayer. Nach etwa einer Stunde ist man Besitzer
des Hundeführscheins.

Unvermittelbar.
Die Vorboten der Novelle machten sich rasch bemerkbar:
Im Wiener Tierschutzhaus in Vösendorf werden zurzeit deutlich mehr angebliche
Problemtiere deponiert als sonst. „

Seit Beginn der Kampfhunddebatte verzeichnen wir einen kontinuierlichen Anstieg“,
sagt Geschäftsführerin Elisabeth Thomas.

Im Vergleich zum langjährigen Schnitt habe sich die Zahl der Stafford-Rassen-Tiere
verdreifacht, jene der Rottweiler verdoppelt.

Und diese Hunde seien nun nahezu unvermittelbar, so Madeleine Petrovic,
Präsidentin des Tierschutzvereins: „

Die Leute sagen explizit, ich will keinen Hund, mit dem ich dann Schwierigkeiten habe.“

Es gibt auch Faelle in denen eine vom Hund Angezeigte Körperverletzung
gar nicht statt fand, das Verfahren Eingestellt wurde.

Trotzdem wurde der Besitzer weil sein Hund Biss Wütig,
ein Münsterländer Mischling,
zum Zwangs Hundeführerschein verdonnert, auch diese Hunde werden vermehrt in
Tierheimen abgegeben.


http://www.profil.at/home/kampfhunde-der-hundefuehrerschein-270186

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